Wie lange gilt der urheberrechtliche Schutz in den Niederlanden?

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Das Urheberrecht erlischt in den Niederlanden in der Regel 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, gerechnet ab dem 1. Januar des folgenden Jahres (Art. 37 Auteurswet). Für anonyme Werke und Werke, die ein Unternehmen ohne Nennung einer natürlichen Person veröffentlicht, zählen 70 Jahre ab der ersten rechtmäßigen Veröffentlichung (Art. 38 Auteurswet). Hier erfahren Sie, wie Sie die Frist berechnen.

Die Seite richtet sich an deutsche Unternehmen, die in den Niederlanden Texte, Bilder, Musik, Filme oder Software verwerten oder lizenzieren. Die Grundlagen des Urheberrechts stehen auf der Seite Urheberrecht in den Niederlanden; den Überblick über alle Schutzrechte finden Sie unter Gewerblicher Rechtsschutz in den Niederlanden. In Deutschland gilt in der Regel ebenfalls eine Frist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.

Wie berechnen Sie die Schutzfrist nach niederländischem Recht?

Die Frist beginnt am 1. Januar des Jahres nach dem Tod des Urhebers und läuft 70 volle Jahre (Art. 37 Abs. 1 Auteurswet). Der genaue Todestag spielt keine Rolle. Haben mehrere Personen ein Werk gemeinsam geschaffen, zählt der Tod des zuletzt verstorbenen Miturhebers (Art. 37 Abs. 2).

Beispiel: Ein Fotograf stirbt am 15. März 2024. Die Frist beginnt am 1. Januar 2025 und endet mit Ablauf des 31. Dezember 2094. Ab dem 1. Januar 2095 ist das Werk gemeinfrei (publiek domein). Bis dahin entscheiden die Erben oder die Personen, auf die das Recht übertragen wurde, über jede Verwertung.

Art des Werks Schutzdauer Grundlage
Werk mit bekanntem Urheber 70 Jahre nach dem Tod, ab 1. Januar des Folgejahres Art. 37 Abs. 1 Auteurswet
Werk mehrerer Miturheber 70 Jahre nach dem Tod des Längstlebenden Art. 37 Abs. 2 Auteurswet
Anonymes Werk, Werk eines Unternehmens ohne Urhebernennung 70 Jahre ab erster rechtmäßiger Veröffentlichung Art. 38 Auteurswet
Filmwerk 70 Jahre nach dem Tod des Längstlebenden von vier Personen Art. 40 Auteurswet
Musik mit Text (verschiedene Rechteinhaber) 70 Jahre nach dem Tod des Längstlebenden Art. 40a Auteurswet

Welche Frist gilt für Werke von Unternehmen und anonyme Werke?

Wenn kein Urheber erkennbar genannt ist, oder wenn ein Unternehmen, eine Stiftung oder ein Verein als Urheber gilt, läuft die Frist 70 Jahre ab der ersten rechtmäßigen Veröffentlichung (Art. 38 Abs. 1 und 2 Auteurswet). Das gilt etwa nach Art. 8 Auteurswet.

Besteht die Arbeit eines Arbeitnehmers gerade im Herstellen bestimmter Werke, gilt der Arbeitgeber als Urheber, sofern nichts anderes vereinbart ist (Art. 7 Auteurswet). Ist der Arbeitgeber eine Gesellschaft, berechnet sich die Frist dann in der Regel nach Art. 38. Diese Regel gilt nicht, wenn die natürliche Person, die das Werk geschaffen hat, auf den veröffentlichten Exemplaren als Urheber genannt ist (Art. 38 Abs. 2); nach welcher Person sich die Frist dann richtet, regelt das Gesetz nicht ausdrücklich. Dasselbe gilt, wenn ein anonymer Urheber seine Identität vor Fristablauf offenlegt (Abs. 3).

Zwei Sonderfälle: Ein Werk, das nicht innerhalb von 70 Jahren nach seiner Entstehung rechtmäßig veröffentlicht wurde, ist nicht mehr geschützt, soweit sich die Frist nicht nach Art. 37 richtet (Art. 39 Auteurswet). Bei Werken, die in Bänden, Teilen oder Folgen erscheinen, zählt für die Frist nach Art. 38 jede Folge gesondert (Art. 41 Auteurswet). Für Ihr Unternehmen heißt das: Halten Sie fest, wer ein Werk geschaffen hat und ob er genannt wird. Davon hängt ab, wann die Frist endet.

Was gilt für Filme, Musik und Aufnahmen?

Bei einem Filmwerk endet der Schutz 70 Jahre nach dem Tod des Längstlebenden von vier Personen: Hauptregisseur, Drehbuchautor, Dialogautor und Komponist der eigens für den Film geschaffenen Musik (Art. 40 Auteurswet). Vorbestehende Musik oder Bilder im Film behalten ihre eigene Schutzfrist.

Bei einem Musikwerk mit Text, dessen Musik und Text verschiedenen Urhebern gehören, zählt der Tod des Längstlebenden der beiden (Art. 40a Auteurswet). Wer einen alten Song in einem Werbespot nutzen will, muss deshalb die Lebensdaten von Komponist und Texter kennen.

Wie lange sind Leistungsschutzrechte geschützt?

Neben dem Urheberrecht bestehen verwandte Schutzrechte (naburige rechten) mit eigenen Fristen (Art. 12 Wet op de naburige rechten). Sie beginnen jeweils am 1. Januar des Folgejahres:

  • ausübende Künstler: 50 Jahre ab der Darbietung; wird eine andere Aufnahme (etwa ein Video) rechtmäßig veröffentlicht, 50 Jahre ab dieser Veröffentlichung, bei einem Tonträger 70 Jahre ab dieser Veröffentlichung (Art. 12 Abs. 1-3);
  • Tonträgerhersteller: 70 Jahre ab Herstellung oder ab erster rechtmäßiger Veröffentlichung (Abs. 4);
  • Sendeunternehmen: 50 Jahre ab der ersten Sendung (Abs. 5);
  • Hersteller der ersten Aufzeichnung eines Films: 50 Jahre ab Aufzeichnung oder Veröffentlichung (Abs. 6).

Eine gemeinfreie Komposition kann also in einer Aufnahme stecken, die noch geschützt ist. Prüfen Sie deshalb immer Werk und Aufnahme getrennt.

Wer übt die Rechte nach dem Tod des Urhebers aus?

Das Urheberrecht geht durch Erbfolge über (Art. 2 Abs. 1 Auteurswet). Die Erben können also bis zum Ende der Frist Lizenzen erteilen, Rechte übertragen und Verletzungen verfolgen; der Schadensersatzanspruch steht ihnen zu (Art. 27 Abs. 3).

Die Urheberpersönlichkeitsrechte, etwa das Recht auf Namensnennung und der Schutz gegen Entstellung, enden nicht mit dem Tod. Sie stehen bis zum Ablauf des Urheberrechts der Person zu, die der Urheber in seinem Testament bestimmt hat, und ohne eine solche Bestimmung seinen Hinterbliebenen (Art. 25 Abs. 2 Auteurswet).

Für Sie als Lizenznehmer heißt das: Klären Sie bei Werken verstorbener Urheber, wer heute Rechteinhaber ist. Gibt es mehrere Erben, lassen Sie sich nachweisen, dass Ihr Vertragspartner für alle handeln darf. Eine Lizenz von nur einem Miterben kann sonst Lücken haben.

Sie planen eine Neuauflage, eine Bearbeitung oder eine Werbekampagne mit einem älteren Werk? Unsere deutschsprachigen Anwälte für gewerblichen Rechtsschutz in Amsterdam prüfen die Schutzfrist und die Rechtekette, bevor Sie investieren.

Gilt die Frist auch für ältere Werke und Werke aus Nicht-EU-Staaten?

Die heutige Frist von 70 Jahren gilt auch für ältere Werke, die am 1. Juli 1995 in mindestens einem EU- oder EWR-Staat geschützt waren (Art. 51 Abs. 1 Auteurswet). Laufende Fristen werden dadurch nicht verkürzt (Abs. 2).

War der Schutz eines Werks schon abgelaufen und lebte er durch die Neuregelung wieder auf, darf fortsetzen, wer das Werk vor dem 24. November 1993 rechtmäßig verwertet hat (Art. 51 Abs. 4). Diese Übergangsregeln sind eng; prüfen Sie den Einzelfall.

Für Werke aus Staaten außerhalb von EU und EWR gilt ein Schutzfristenvergleich: In den Niederlanden kann man sich nicht auf ein Urheberrecht berufen, dessen Dauer im Ursprungsland schon abgelaufen ist (Art. 42 Auteurswet). Das gilt nicht, wenn der Urheber Staatsangehöriger eines EU- oder EWR-Staates ist.

Was dürfen Sie nach Ablauf der Schutzfrist?

Nach Ablauf der Frist ist das Werk gemeinfrei. Jeder darf es ohne Erlaubnis und ohne Vergütung vervielfältigen, veröffentlichen und bearbeiten, auch zu gewerblichen Zwecken. Auch die Urheberpersönlichkeitsrechte enden mit dem Urheberrecht (Art. 25 Abs. 2 Auteurswet).

Prüfen Sie trotzdem drei Punkte. Erstens: Neue Bearbeitungen, etwa eine Übersetzung oder ein Arrangement, sind als eigene Werke geschützt (Art. 10 Abs. 2 Auteurswet). Frei ist nur das Original. Zweitens: Eine Aufnahme oder Ausgabe kann eigene Leistungsschutzrechte haben. Drittens: Ein Name oder Bild kann als Marke eingetragen sein; dazu die Seite Niederländischer Anwalt für Markenrecht.

Wollen Sie ein noch geschütztes Werk nutzen, brauchen Sie eine Lizenz oder eine Übertragung. Was dabei schriftlich zu vereinbaren ist, erklärt die Seite Urheberrecht in Verträgen.

Häufig gestellte Fragen zur Schutzdauer des Urheberrechts

Wann erlischt das Urheberrecht in den Niederlanden?

In der Regel 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die Frist beginnt am 1. Januar des Folgejahres (Art. 37 Auteurswet). Bei anonymen Werken und Werken eines Unternehmens ohne Urhebernennung zählen 70 Jahre ab der ersten rechtmäßigen Veröffentlichung (Art. 38).

Wie lange ist ein Werk geschützt, das ein Mitarbeiter für mein Unternehmen geschaffen hat?

Gilt Ihr Unternehmen nach Art. 7 Auteurswet als Urheber und wird kein Mitarbeiter genannt, in der Regel 70 Jahre ab der ersten rechtmäßigen Veröffentlichung (Art. 38 Abs. 2). Wird der Mitarbeiter auf den veröffentlichten Exemplaren als Urheber genannt, gilt Art. 38 nicht; nach welcher Person sich die Frist dann richtet, regelt das Gesetz nicht ausdrücklich.

Wie lange ist ein Film urheberrechtlich geschützt?

Bis 70 Jahre nach dem Tod des Längstlebenden von Hauptregisseur, Drehbuchautor, Dialogautor und Filmkomponist (Art. 40 Auteurswet). Daneben hat der Filmproduzent eigene Rechte an der ersten Aufzeichnung, die 50 Jahre laufen (Art. 12 Abs. 6 Wet op de naburige rechten).

Sind die Rechte an einer Musikaufnahme genauso lange geschützt wie die Komposition?

Nein. Die Komposition ist bis 70 Jahre nach dem Tod der Urheber geschützt. Die Rechte des Tonträgerherstellers und der ausübenden Künstler richten sich nach Art. 12 Wet op de naburige rechten und laufen in der Regel 70 Jahre ab der Veröffentlichung des Tonträgers.

Darf ich ein gemeinfreies Werk für Werbung nutzen?

Ja, das Original darf jeder frei nutzen, auch gewerblich. Prüfen Sie aber, ob Sie eine geschützte Bearbeitung, eine geschützte Aufnahme oder ein als Marke eingetragenes Zeichen verwenden. Diese Rechte bestehen unabhängig vom Urheberrecht am Original.

Primärquellen

Sie möchten wissen, ob ein Werk noch geschützt ist und von wem Sie eine Lizenz brauchen? Schicken Sie uns die Angaben zu Werk, Urheber und geplanter Nutzung. Ein deutschsprachiger Anwalt in Amsterdam prüft die Frist nach niederländischem Recht und sagt Ihnen, was Sie vereinbaren müssen.

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