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Der Geschäftsführer (bestuurder) einer niederländischen B.V. leitet die Gesellschaft und vertritt sie nach außen; jeder Geschäftsführer ist grundsätzlich allein vertretungsberechtigt (Art. 2:239 und 2:240 BW). Ernannt wird er von der Gesellschafterversammlung, die ihn jederzeit abberufen kann. Unsere deutschsprachigen Anwälte erläutern Ihnen die wichtigsten Regeln des niederländischen Gesellschaftsrechts und die Unterschiede zur deutschen GmbH.
Was ist ein Geschäftsführer nach niederländischem Recht — und warum gelten andere Regeln als in Deutschland?
Ein Geschäftsführer einer niederländischen B.V. ist die Person oder juristische Einheit, die die Gesellschaft nach außen vertritt, das Tagesgeschäft leitet und gegenüber der Gesellschafterversammlung rechenschaftspflichtig ist — mit deutlich mehr gesetzlichen Freiheiten als im deutschen GmbH-Recht vorgesehen.
Die Geschäftsführung der B.V. ist in Buch 2 Titel 5 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs (Burgerlijk Wetboek, BW) geregelt. Die Geschäftsführung (bestuur) leitet die Gesellschaft, soweit die Satzung keine Beschränkungen vorsieht (Art. 2:239 Abs. 1 BW). Dabei richten sich die Geschäftsführer nach dem Interesse der Gesellschaft und des mit ihr verbundenen Unternehmens (Abs. 5). Die Satzung kann auch ein einstufiges Board (one-tier board) mit geschäftsführenden und nicht geschäftsführenden Geschäftsführern vorsehen; nicht geschäftsführende Mitglieder müssen natürliche Personen sein (Art. 2:239a Abs. 1 BW). Dennoch zeigt die Praxis, dass viele deutsche Unternehmer, die eine niederländische B.V. gründen, die strukturellen Unterschiede zur GmbH unterschätzen. Das kann teuer werden — sowohl operativ als auch haftungsrechtlich.
Die niederländische B.V. ist in ihrer Grundstruktur mit der deutschen GmbH vergleichbar: Beide Formen sehen eine beschränkte Haftung der Gesellschafter vor und setzen einen Geschäftsführer voraus. Jedoch weicht das niederländische Recht in zentralen Bereichen erheblich ab. Insbesondere bei der Vertretungsbefugnis, der Weisungsgebundenheit und der Haftung im Insolvenzfall bestehen wichtige Unterschiede, die Sie kennen sollten.
Wie funktioniert die externe Vertretung einer B.V. in den Niederlanden?
Die externe Vertretung einer niederländischen B.V. ist so geregelt, dass — anders als im deutschen Recht — jeder eingetragene Geschäftsführer die Gesellschaft grundsätzlich eigenständig und ohne Zustimmung der anderen Geschäftsführer vertreten darf.
In Deutschland gilt bei mehreren eingetragenen Geschäftsführern häufig das Prinzip der Gesamtvertretung: Entscheidungen müssen gemeinschaftlich getroffen werden. Im niederländischen Recht ergibt sich die Vertretung nicht aus dem Handelsregister (Kamer van Koophandel), sondern aus dem Gesetz: Neben der Geschäftsführung als Ganzes ist jeder einzelne Geschäftsführer vertretungsberechtigt (Art. 2:240 Abs. 2 BW). Die Satzung (statuten) kann aber bestimmen, dass ein Geschäftsführer nur gemeinsam mit einem oder mehreren anderen vertreten darf. Interne Zustimmungsvorbehalte beschränken die Vertretungsmacht dagegen nicht: Sie ist unbeschränkt und unbedingt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt (Abs. 3).
Praxisbeispiel: Ein deutsches Unternehmen gründet eine niederländische B.V. mit zwei Geschäftsführern. Einer der Geschäftsführer unterzeichnet ohne Wissen des anderen einen Liefervertrag über €250.000. Nach niederländischem Recht ist dieser Vertrag für die B.V. bindend — auch wenn intern keine Abstimmung stattfand. Hätte das Unternehmen die Satzung entsprechend angepasst, wäre dieses Risiko vermeidbar gewesen. Unser spezialisierter Rechtsanwalt in Amsterdam hilft Ihnen, solche Risiken durch eine präzise Satzungsgestaltung von Anfang an auszuschließen.
Die Flexibilität der niederländischen Regelung bietet operativen Spielraum — birgt jedoch das Risiko, dass die B.V. durch die Erklärung eines einzelnen Geschäftsführers gebunden wird, ohne dass die anderen zugestimmt haben. Wenn Sie das vermeiden möchten, sollten Sie eine Gesamtvertretung bereits in der Satzung der B.V. verankern (Art. 2:240 Abs. 2 BW).
Welche Rolle spielt die Gesellschafterversammlung bei einer niederländischen B.V.?
Die Gesellschafterversammlung (algemene vergadering van aandeelhouders) ernennt die Geschäftsführer, soweit sie nicht schon in der Gründungsurkunde bestellt werden (Art. 2:242 Abs. 1 BW). Sie kann jeden Geschäftsführer jederzeit suspendieren und abberufen (Art. 2:244 Abs. 1 BW). Außerdem stehen ihr alle Befugnisse zu, die nicht der Geschäftsführung oder anderen zugewiesen sind (Art. 2:217 Abs. 1 BW). Ein wichtiger Unterschied zum deutschen Recht: Auch eine juristische Person kann Geschäftsführer sein.
Das niederländische Gesetz setzt diese Möglichkeit voraus: Haftet eine juristische Person als Geschäftsführer, haften deren eigene Geschäftsführer gesamtschuldnerisch mit (Art. 2:11 BW). In der Praxis fungiert häufig eine Holding-Gesellschaft als Geschäftsführerin einer operativen B.V. In Deutschland hingegen schreibt §6 GmbHG vor, dass ausschließlich natürliche Personen Geschäftsführer einer GmbH sein dürfen. Viele mittelständische niederländische B.V.-Strukturen nutzen eine juristische Person als Geschäftsführerin — häufig aus steuerlichen und haftungsrechtlichen Gründen.
Darüber hinaus dürfen auch ausländische Staatsangehörige und Personen mit Wohnsitz in Deutschland Geschäftsführer einer niederländischen B.V. werden. Ein Wohnsitz in den Niederlanden ist dafür nicht erforderlich. Wenn Sie als deutsches Unternehmen eine B.V. gründen möchten, berät Sie unser auf niederländisches Recht spezialisierter Anwalt in Amsterdam zu den optimalen Strukturierungsmöglichkeiten — vereinbaren Sie jetzt Ihre Erstberatung.
Wie weit reicht die Weisungsbefugnis der Gesellschafterversammlung in Holland?
Ein Weisungsrecht der Gesellschafterversammlung besteht in den Niederlanden nur, wenn die Satzung es vorsieht. Dann muss die Geschäftsführung die Weisungen befolgen, es sei denn, sie widersprechen dem Interesse der Gesellschaft und des mit ihr verbundenen Unternehmens (Art. 2:239 Abs. 4 BW). Ohne eine solche Satzungsregel hat der Geschäftsführer einer B.V. mehr Handlungsspielraum als ein GmbH-Geschäftsführer.
Im deutschen GmbH-Recht gilt: Der Geschäftsführer ist grundsätzlich an die Weisungen der Gesellschafterversammlung gebunden und darf sich diesen nicht widersetzen. Das niederländische Recht gewährt dem Geschäftsführer hingegen eine eigenständigere Position. Er muss zwar im Interesse der Gesellschaft handeln, jedoch ist er nicht in jedem operativen Bereich weisungsgebunden. Diese größere Autonomie ist ein zentrales Merkmal des niederländischen Gesellschaftsrechts.
Jedoch — und das ist entscheidend — bedeutet mehr Freiheit auch mehr Verantwortung. Erfüllt ein Geschäftsführer seine Aufgaben nicht ordnungsgemäß und kann ihm deswegen ein schwerwiegender Vorwurf (ernstig verwijt) gemacht werden, haftet er gegenüber der B.V. (Art. 2:9 BW; Hoge Raad, Staleman/Van de Ven). Daher sollten die Grenzen dieser Freiheit schriftlich in der Satzung oder einem separaten Geschäftsführervertrag festgelegt werden. Unser niederländischer Fachanwalt begleitet Sie bei der Ausgestaltung dieser Dokumente und schützt Sie so vor ungewollten Haftungsrisiken.
Wann haftet der Geschäftsführer persönlich nach niederländischem Recht?
Persönlich haften kann ein Geschäftsführer vor allem gegenüber der B.V. bei einer schwerwiegend vorwerfbaren Pflichtverletzung (Art. 2:9 BW), gegenüber der Insolvenzmasse bei offensichtlich nicht ordnungsgemäßer Geschäftsführung (kennelijk onbehoorlijk bestuur, Art. 2:248 BW) und gegenüber einzelnen Gläubigern aus unerlaubter Handlung (onrechtmatige daad, Art. 6:162 BW).
Nach Art. 2:248 BW haftet im Insolvenzfall jeder Geschäftsführer gesamtschuldnerisch gegenüber der Masse für das Defizit, wenn die Geschäftsführung ihre Aufgaben offensichtlich nicht ordnungsgemäß erfüllt hat und plausibel ist, dass dies eine wichtige Ursache der Insolvenz war (Abs. 1). Hat die Geschäftsführung die Buchführungspflicht (Art. 2:10 BW) oder die Pflicht zur Offenlegung des Jahresabschlusses (Art. 2:394 BW) verletzt, steht die nicht ordnungsgemäße Erfüllung fest, und es wird vermutet, dass sie eine wichtige Ursache der Insolvenz war; ein unbedeutendes Versäumnis bleibt außer Betracht (Abs. 2). Maßgeblich ist nur der Zeitraum von drei Jahren vor der Insolvenz (Abs. 6). Ein Geschäftsführer haftet nicht, wenn er beweist, dass ihm die Pflichtverletzung nicht vorzuwerfen ist und er nicht nachlässig war, Maßnahmen zur Abwendung der Folgen zu treffen (Abs. 3). Diese Vermutung unterscheidet das niederländische Recht deutlich vom deutschen.
Weitere relevante Haftungsszenarien umfassen:
- Steuerschulden (Art. 36 Invorderingswet 1990): Haftung für bestimmte Steuern wie Lohnsteuer und Umsatzsteuer, wenn die Nichtzahlung auf eine dem Geschäftsführer vorzuwerfende offensichtlich nicht ordnungsgemäße Geschäftsführung zurückgeht (Art. 36 Abs. 3). Die Gesellschaft muss ihre Zahlungsunfähigkeit unverzüglich dem Finanzamt (ontvanger) melden; unterbleibt die Meldung, wird vermutet, dass die Nichtzahlung dem Geschäftsführer vorzuwerfen ist
- Interessenkonflikt (Art. 2:239 Abs. 6 BW): Ein Geschäftsführer mit einem widerstreitenden persönlichen Interesse darf an Beratung und Beschlussfassung nicht teilnehmen; ein Beschluss unter Verstoß dagegen kann vernichtbar sein (Art. 2:15 Abs. 1 BW)
- Ausschüttungen (Art. 2:216 Abs. 3 BW): Kann die B.V. nach einer Ausschüttung ihre fälligen Schulden nicht mehr bezahlen, haften die Geschäftsführer, die das wussten oder vernünftigerweise vorhersehen mussten, gegenüber der Gesellschaft gesamtschuldnerisch für das dadurch entstandene Defizit. Ein gesetzliches Mindestkapital schreibt das Gesetz für die B.V. nicht vor; die Satzung nennt nur den Nennbetrag der Anteile (Art. 2:178 BW)
Folglich empfehlen wir dringend, vor der Übernahme einer Geschäftsführerposition in einer niederländischen B.V. eine rechtliche Due-Diligence durchzuführen. Kontaktieren Sie unsere Kanzlei in Amsterdam — wir prüfen Ihre Situation und sichern Ihre Position rechtlich ab.
Häufig gestellte Fragen zur Geschäftsführung einer niederländischen B.V.
Wer vertritt eine niederländische B.V.?
Die Geschäftsführung als Ganzes und jeder einzelne Geschäftsführer (Art. 2:240 Abs. 2 BW). Die Satzung kann vorschreiben, dass ein Geschäftsführer nur gemeinsam mit anderen vertreten darf. Interne Zustimmungsvorbehalte beschränken die Vertretungsmacht nicht (Art. 2:240 Abs. 3 BW).
Kann eine juristische Person Geschäftsführer einer B.V. sein?
Ja. Anders als bei der GmbH (§ 6 Abs. 2 GmbHG) kann auch eine Gesellschaft, etwa eine Holding, Geschäftsführer sein. Haftet sie als Geschäftsführer, haften ihre eigenen Geschäftsführer gesamtschuldnerisch mit (Art. 2:11 BW).
Wie wird ein Geschäftsführer ernannt und abberufen?
Der erste Geschäftsführer wird in der Gründungsurkunde bestellt, spätere ernennt grundsätzlich die Gesellschafterversammlung (Art. 2:242 Abs. 1 BW). Das ernennende Organ kann jeden Geschäftsführer jederzeit suspendieren und abberufen (Art. 2:244 Abs. 1 BW). Eine Wiederherstellung des Arbeitsvertrags kann das Gericht nicht anordnen (Art. 2:244 Abs. 3 BW).
Muss der Geschäftsführer Weisungen der Gesellschafter befolgen?
Nur wenn die Satzung das vorsieht. Dann muss die Geschäftsführung die Weisungen befolgen, es sei denn, sie widersprechen dem Interesse der Gesellschaft und des mit ihr verbundenen Unternehmens (Art. 2:239 Abs. 4 BW).
Wann haftet der Geschäftsführer in der Insolvenz persönlich?
Wenn die Geschäftsführung ihre Aufgaben offensichtlich nicht ordnungsgemäß erfüllt hat und dies eine wichtige Ursache der Insolvenz war (Art. 2:248 Abs. 1 BW). Wurden die Buchführungspflicht oder die Offenlegung des Jahresabschlusses verletzt, wird die Ursächlichkeit vermutet (Art. 2:248 Abs. 2 BW).
Primärquellen
- Burgerlijk Wetboek Buch 2: Art. 2:9, 2:10, 2:11, 2:15, 2:178, 2:216, 2:217, 2:239, 2:239a, 2:240, 2:242, 2:244, 2:248 und 2:394
- Burgerlijk Wetboek Buch 6: Art. 6:162
- Invorderingswet 1990, Art. 36
- Hoge Raad 10.01.1997, Staleman/Van de Ven, ECLI:NL:HR:1997:ZC2243
Warum ist ein spezialisierter Anwalt in Amsterdam für deutsche Geschäftsführer unverzichtbar?
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