Die Einziehung einer deutschen Forderung in den Niederlanden ist durch ein außergerichtliches Mahnverfahren oder eine gerichtliche Klage möglich und kann — bei richtiger Vorbereitung — auch dann erfolgreich sein, wenn der Schuldner zunächst nicht auffindbar ist. Dieses Verfahren ist besonders relevant für deutsche, österreichische und schweizerische Unternehmen, die offene Rechnungen gegenüber niederländischen Vertragspartnern haben. In der Praxis lassen sich viele Forderungen bereits durch ein gezieltes anwaltliches Mahnschreiben — ohne Gerichtsverfahren in den Niederlanden — erfolgreich einziehen.
Was ist der erste Schritt bei einer offenen Forderung gegen einen niederländischen Schuldner?
Der erste Schritt ist die außergerichtliche Mahnung durch einen in den Niederlanden zugelassenen Anwalt, der den Schuldner schriftlich zur Zahlung auffordert und eine klare Frist setzt. Diese Vorgehensweise ist kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren und führt in vielen Fällen bereits zur vollständigen Zahlung oder zu einer Zahlungsvereinbarung. Wir empfehlen, frühzeitig einen deutschsprachigen Anwalt in den Niederlanden einzuschalten — nicht zuletzt, weil Sprachbarrieren grenzüberschreitende Inkassoverfahren erheblich erschweren können.
Ein niederländischer Anwalt kennt dabei nicht nur das lokale Recht, sondern auch die Unternehmenskultur in den Niederlanden. Anders als in Deutschland ist es in den Niederlanden beispielsweise üblich, Zahlungsvereinbarungen (betalingsregelingen) frühzeitig und pragmatisch zu verhandeln — ein Vorgehen, das den Aufwand für alle Beteiligten deutlich reduziert. Für internationale Unternehmen bedeutet das konkret: Eine erste anwaltliche Intervention kostet deutlich weniger als ein Gerichtsverfahren und hat eine hohe Erfolgsquote.
Was tun, wenn der Aufenthaltsort des Schuldners in den Niederlanden unbekannt ist?
Ja, auch wenn der Wohnort des Schuldners unbekannt ist, kann eine Forderung in den Niederlanden eingezogen werden — mithilfe eines Gerichtsvollziehers (deurwaarder), der Zugang zum niederländischen Personenbasisregister (Basisregistratie Personen, BRP) hat. Voraussetzung ist, dass Name und — idealerweise — Geburtsdatum des Schuldners bekannt sind. Das BRP ist ein staatliches Melderegister, in dem nahezu alle in den Niederlanden wohnhaften Personen erfasst sind.
In der Praxis arbeiten wir seit Jahren eng mit erfahrenen Gerichtsvollziehern in den Niederlanden zusammen, die diese Registerabfragen routinemäßig durchführen. Sobald der Wohnort ermittelt ist, kann das Mahnschreiben förmlich zugestellt werden — was sicherstellt, dass der Schuldner das Schreiben nachweislich erhalten hat. Für internationale Gläubiger ist das ein wichtiger Unterschied zu einer einfachen postalischen Zustellung, die sich bei unbekannten Adressen verbietet.
Wie funktioniert die förmliche Zustellung durch einen Gerichtsvollzieher?
Ein Gerichtsvollzieher (deurwaarder) ist in den Niederlanden eine staatlich zugelassene Amtsperson, die gerichtliche und außergerichtliche Dokumente rechtswirksam zustellen darf. Die förmliche Zustellung eines anwaltlichen Mahnschreibens durch einen Gerichtsvollzieher bietet den entscheidenden Vorteil, dass der Zustellungszeitpunkt rechtssicher dokumentiert wird. Das ist besonders relevant, wenn später ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird, denn dann muss der Gläubiger nachweisen, dass der Schuldner ordnungsgemäß abgemahnt wurde.
Die Kosten für eine solche Zustellung sind gesetzlich geregelt und im Voraus kalkulierbar. In einem späteren Vollstreckungsverfahren können diese Kosten grundsätzlich auf den Schuldner abgewälzt werden — ein Restrisiko für den Gläubiger besteht jedoch immer dann, wenn der Schuldner zahlungsunfähig ist. Sprechen Sie uns an: Wir nennen Ihnen vorab die genauen Kosten und erläutern Ihnen, unter welchen Umständen eine Kostenerstattung realistisch ist.
Wann ist ein gerichtliches Inkassoverfahren in den Niederlanden sinnvoll?
Ein gerichtliches Inkassoverfahren ist sinnvoll, wenn der Schuldner trotz anwaltlicher Mahnung zahlungsunwillig bleibt und die Forderungshöhe die voraussichtlichen Gerichtskosten übersteigt. Niederländische Gerichte sind grundsätzlich effizient, jedoch sind die Gerichtsgebühren (griffierechten) — anders als in Deutschland — verhältnismäßig hoch. Bei Forderungen unter ca. €5.000 kann es wirtschaftlich sinnvoller sein, alternative Wege zu gehen.
Für Forderungen, die unstrittig sind, gibt es in den Niederlanden ein vereinfachtes Mahnverfahren (betalingsbevelprocedure), das schneller und kostengünstiger als ein ordentliches Klageverfahren ist. Ist die Forderung hingegen streitig, führt der Weg in der Regel zur Rechtbank — dem niederländischen Amts- oder Landgericht je nach Streitwert. Unsere deutschsprachigen Prozessanwälte vertreten Sie in beiden Verfahrensarten und erläutern Ihnen vorab Ihre realistischen Erfolgsaussichten. Für internationale Unternehmen bedeutet das: Sie müssen nicht selbst vor Ort erscheinen — wir handeln vollständig in Ihrem Namen.
Welches Recht gilt bei grenzüberschreitenden Forderungen zwischen Deutschland und den Niederlanden?
Bei grenzüberschreitenden Forderungen innerhalb der EU gilt in der Regel die Verordnung (EG) Nr. 593/2008 (Rom I), die das auf vertragliche Schuldverhältnisse anwendbare Recht regelt. Haben die Parteien eine Rechtswahlklausel vereinbart — etwa deutsches Recht — bleibt diese grundsätzlich wirksam. Fehlt eine solche Klausel, bestimmt sich das anwendbare Recht nach dem Sitz des Leistungserbringers oder nach anderen objektiven Anknüpfungspunkten.
Anders als viele deutsche Unternehmen annehmen, bedeutet die Vereinbarung deutschen Rechts nicht automatisch, dass das Verfahren vor einem deutschen Gericht geführt werden muss. Für die Zwangsvollstreckung in den Niederlanden ist stets niederländisches Verfahrensrecht maßgeblich — unabhängig davon, welches materielle Recht dem Vertrag zugrunde liegt. In der Praxis heißt das: Auch ein deutsches Urteil muss für die Vollstreckung in den Niederlanden anerkannt werden, was über die EuGVVO (Brüssel Ia-Verordnung) in der Regel reibungslos möglich ist.
Wie hoch sind die Kosten für ein Inkassoverfahren in den Niederlanden?
Die Kosten für ein außergerichtliches Inkassoverfahren in den Niederlanden hängen von Forderungshöhe, Komplexität und dem erforderlichen Aufwand ab. Als Orientierung gilt: Ein erstes anwaltliches Mahnschreiben ist in der Regel deutlich günstiger als ein Gerichtsverfahren und stellt den kosteneffizientesten Einstieg dar. Bei einem gerichtlichen Verfahren fallen neben den Anwaltskosten Gerichtsgebühren an, die sich nach dem Streitwert richten und bei höheren Forderungen mehrere hundert bis über tausend Euro betragen können.
Niederländisches Recht sieht vor, dass der unterlegene Schuldner einen Teil der Verfahrenskosten trägt — allerdings nach einem gesetzlich festgelegten Tarif (liquidatietarief), der häufig unter den tatsächlichen Anwaltskosten liegt. Wir erstellen Ihnen gerne eine transparente Kostenschätzung, bevor wir tätig werden — damit Sie das wirtschaftliche Risiko eines Verfahrens von Anfang an einschätzen können.
Sie haben eine offene Forderung gegenüber einem niederländischen Schuldner? Unsere deutschsprachigen Anwälte bei MAAK Advocaten in Amsterdam beraten Sie unverbindlich über Ihre Möglichkeiten und leiten — nach Prüfung Ihrer Unterlagen — umgehend das geeignete Inkassoverfahren ein.